Eduard Ralph – Cloud Computing Experte bei birkle IT

Mit mehr als 20 Jahren IT-Erfahrung ist Eduard Ralph, Head of Consulting bei der birkle IT, ein versierter Solution Architect und Cloud Experte, der in seiner beruflichen Laufbahn erfolgreich komplexe, länder-übergreifende Softwareprojekte in verschiedenen Branchen durchgeführt hat. Durch seine umfangreiche berufliche Laufbahn als IT-Consultant, Delivery Quality Lead und Referent für IT-Compliance sowie durch seine achtjährige Tätigkeit im Bereich Solution Architecture Management bei Microsoft verfügt Eduard über ein umfassendes Expertenwissen in Cloud- und Edge-Computing für Unternehmen.

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Cloud Computing setzt sich durch

Seit etwa 2010 hat sich Cloud Computing zunehmend als bedeutendes Thema etabliert und insbesondere seit dem Ausbruch von Covid-19 verlassen sich viele globale Unternehmen verstärkt auf Cloud Computing-Anbieter, häufig auf sogenannte „Hyperscaler“. Diese Unternehmen betreiben Computing-Netzwerke, die extrem skalierbar sind und somit den steigenden Bedarf an digitalen Ressourcen effizient decken können.

Dabei ist Cloud viel mehr als nur das Speichern von Daten auf fremden Computern oder die Kostenreduktion durch Nutzen von Skalierungseffekten. Cloud Computing erlaubt das „mundgerechte Portionieren und Bezahlen“ von Computerleistungen, reduziert die Einstiegsbarriere für Unternehmen, eine professionelle IT-Infrastruktur zu betreiben und überträgt viele administrative und nicht-wertschöpfende Aufgaben auf den Dienstleister. Doch welcher Anbieter ist der Richtige? Worauf muss ich bei der Einführung von Cloud Computing im Unternehmensumfeld achten? Und wie geht eine Migration von Unternehmensprozessen in die Cloud?

Cloud Computing Anbieter: Welche gibt es?

Die dominierenden „Hyperscaler“ sind unter anderem Amazon (Amazon Web Services), Microsoft (Microsoft Azure) und Google (Google Cloud Platform), aber auch Nischen und regionale Anbieter wie beispielsweise Alibaba Cloud oder IBM und Business Technology Platform von SAP sind bekannte Cloud Computing Anbieter. Während es bereits zu Beginn der 2000er verschiedene Vorläuferansätze gab, beginnt die Ära des Cloud Computing mit der Bereitstellung des Simple Storage Services (S3) von Amazon unter dem unscheinbaren Namen „Amazon Web Services“ in 2006 und bis heute sind die Amazon Web Services der Marktführer unter den Cloud Anbietern geblieben, auf denen unter anderem Netflix und Dropbox ihre Daten verwalten.

Microsoft begann offiziell im Jahr 2010 mit der Windows Azure Plattform – später nur noch Microsoft Azure – ist vor allem bei Unternehmen sehr beliebt und sichert sich einen stabilen 2. Platz unter den Cloud Computing Anbietern.

Google als letzter der drei Anbieter im Bunde der Hyperscaler erreichte „general availability“ in November 2011 und verwaltet heute Petabytes an Daten von Unternehmen wie TikTok, Spotify oder Apple. In den vergangenen 20 Jahren sind rund um den Cloud Ansatz eine ganze Menge an Diensten, die deutlich mehr als nur Datenspeicher anbieten, entstanden. Als Unternehmen steht man nun vor der Frage:

Welcher Anbieter ist der richtige für mich, wenn ich jetzt in die Cloud gehe? Welche Anforderungen müssen gestellt werden und worauf muss ich achten?

Unser Experte Eduard Ralph, Head of Consulting birkle IT, gibt wertvolle Tipps bei der Wahl zum richtigen Cloud Computing Anbieter:

Eduard Ralph, wie ist der aktuelle Stand im Bereich Cloud Computing bei Unternehmen?

Eduard Ralph: „Speziell deutsche Unternehmen waren lange Zeit sehr zurückhaltend bei der Frage nach Cloud Computing. Lange standen rechtliche und organisatorische Unsicherheiten bei Unternehmen im Vordergrund, wenn es um die Entscheidung für einen Cloud-Computing-Anbieter ging. Oftmals lag der Schwerpunkt darauf, rasch Kosteneinsparungen zu realisieren.

Gegen Ende der 2010er Jahre nahmen die Bedenken gegenüber der Nutzung von Cloud-Diensten spürbar ab. Dies geschah vor allem, nachdem Cloud-Dienste an Reife gewannen und die Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) für eine rechtliche Basis und Sicherheit sorgte. Zusätzlich begannen Hyperscaler damit, lokale Rechenzentren zu etablieren, was weiter dazu beitrug, die Vorbehalte gegenüber der Cloud zu verringern.

Spätestens mit der weltweiten COVID-Pandemie wurde das Thema „Cloud“ ein unumgängliches Thema für jeden CIO, denn den Großunternehmen fehlte die notwendige Netzwerkkapazität, um alle Mitarbeiter, die remote arbeiteten, gleichzeitig mit essentiellen IT-Diensten auszustatten. Kleinere Unternehmen hatten kaum Know-how und notwendige Expertise, um solche Zugänge abzusichern.

Heutzutage, angesichts der veränderten wirtschaftlichen Lage und Arbeitsweise, greifen immer mehr Unternehmen auf Cloud-Dienste zurück, um höhere Effizienz und Kosteneinsparungen zu erzielen.“

Worauf sollten Ihrer Meinung nach Unternehmen bei der Wahl eines Cloud Computing Anbieters achten?

Eduard Ralph: „Meiner Meinung nach hat die Umsetzung einer Cloud Strategie mehrere Dimensionen, auf die man achten sollte:

Technisch

Cloud-Dienste zu beziehen, bedeutet eine Änderung im IT-Bauplan des Unternehmens. Es werden ggf. wichtige Daten nun außerhalb des Unternehmensnetzwerks gespeichert. Eine „mein Unternehmensnetzwerk ist meine Burg“-Verteidigung funktioniert nicht mehr und ich muss mich mit neuen Sicherheitskonzepten auseinandersetzen. Gleichzeitig sollte ich einen Anbieter wählen, der mit durchdachten Sicherheitskonzepten aufwarten kann und proaktiv seine Kunden unterstützt, sich besser aufzustellen.

Organisatorisch

Die Wahl eines Cloud Anbieters bedeutet eine große Veränderung für die Organisation: für die IT, da sich ihre Aufgaben und Supportmöglichkeiten verändert und für den Fachbereich, die sich nun mit dem Featureset von Software-as-a-Service (SaaS) Lösung zurechtfinden muss, die der Cloud Anbieter anbietet. Man sollte daher einen Anbieter wählen, der einen guten, aktiven Support anbietet und eine gewisse Konstanz im Featureset bietet.

Kaufmännisch
Viele Unternehmen verfolgen inzwischen eine Multi-Vendor Cloud Strategie, d.h. man verteilt die Aufgaben auf mehr als nur einen Vendor – typischerweise zwei oder drei Vendoren. Damit lassen sich gerade bei größeren Abnahmemengen individuelle Preisvorteile erzielen.

Alle der vorher genannten Hyperscaler haben Besonderheiten, die sie auszeichnen. So bietet Microsoft neben den Azure Diensten für Entwicklung und Infrastruktur mit Office 365 eine Software-as-a-Service (SaaS) Lösung an, in der man Microsoft Office sozusagen „aus der Steckdose beziehen“ kann. Amazon überzeugt durch die breite Unterstützung der Entwicklergemeinde, während Google vor allem durch Preis und Einfachheit besticht.

Meine Empfehlung ist, auf Basis der Unternehmensanforderungen, sich für einen oder zwei der Hyperscaler zu entscheiden und im Einzelfall diese um SaaS-Lösungen anzureichern“, so Eduard Ralph.

Kann ich mich als Unternehmen denn auf die aktuellen Cloud- Anbieter verlassen? Oder
sollte ich auf die EU-Cloud warten?

„Grundsätzlich sind die Hyperscaler auch für Unternehmen der EU gute Anbieter. Durch die vielen lokalisierten Rechenzentren, dem rechtlichen Rahmen und den in 2023 runderneuerten Vereinbarungen zwischen den USA und EU, sollte man sich bei Überlegungen Cloud Dienste zu nutzen, nicht durch Erwägungen des Standorts einschränken lassen. Es gibt mit beispielsweise Hetzner, Leaf Cloud, Scaleway oder Stackit von der Schwarz IT auch eine Reihe von Anbietern aus der EU, die Cloud-Dienste anbieten. In vielen Fällen sind das ehemalige Server Hoster, die sich auf die Kerndienste im Bereich Infrastructure-as-a-Service (IaaS) fokussieren und ihre Bedienungsinterfaces dem neuen Trend angepasst haben und kostengünstiger sind.

Laut Eduard Ralph besteht der Nachteil bei diesen Anbietern, dass die Auswahl der Dienste eingeschränkt sind – so werden die KI-Dienste von Microsoft und Google natürlich nur über deren Cloud angeboten – und die Anbieter haben weniger „Reichweite“, was bedeutet, dass die Infrastruktur zum Teil nur in Europa steht oder die Netzwerkanbindung ist in manchen Regionen schlecht. Deshalb kommen solche Anbieter für große Konzerne nicht in Frage und selbst wenn man nicht weltweit tätig ist, muss man genau prüfen, ob das Profil zu einem passt. Sofern der Standort oder das reduzierte Leistungsspektrum kein Hindernis sind, kann eine Verwendung eines solchen Anbieters eine sinnvolle Ergänzung im Vendormix sein.

Wenn du an bisherige Cloud Projekte der birkle IT denkst – welches Projektvorgehen hat sich für Unternehmen bei der Wahl von und Migration zu Cloud Computing Anbietern bewährt?

„Oft wollen Kunden die Kostenvorteile möglichst schnell erreichen – dann wird in einer Hauruck-Aktion alles schonungslos in die Cloud geschoben und man wundert sich anschließend über die Rechnung vom Anbieter: anstatt einer Kostenersparnis bezahlt man plötzlich mehr. Wenn man genau überlegt, ist das nicht verwunderlich: man bezahlt nicht nur die eigene IT mit deren Rechenzentrum und Mitarbeitern, die ich ja nach wie vor benötige, sondern nun noch zusätzlich einen Teil des Cloud Anbieters. Erfolg stellt sich dann ein, wenn man eine genaue Bestandsaufnahme zur „Cloud-Eignung“ der IT-Landschaft vornimmt. Manche Systeme können durch SaaS Lösungen abgelöst und so kostengünstiger werden, manche Lösungen können durch die Migration oder Nutzung von Cloud-Diensten kostengünstiger oder geschäftssteigernd sein (wie beispielsweise neue Features, höhere Verfügbarkeit, etc.) und manche muss man aufgrund von Regulierung oder technischen Restriktionen on-premise behalten.

Rückblickend kann ich sagen, dass die erfolgreichsten Projekte in Unternehmen bislang stets jene waren, die behutsam und schrittweise bei der Migration in die Cloud vorgingen: Sie überforderten ihre interne Organisation nicht mit den zahlreichen technischen und organisatorischen Veränderungen und diese Unternehmen fokussierten sich nicht nur auf kurzfristige Kostenersparnisse, sondern erkannten auch die Notwendigkeit von Investitionen.“

Vielen Dank für das Gespräch!

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